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Weihnachts Overnighter 2025

“Watt? Weihnachten? Aprilscherz?” wirst du gerade nach dem Lesen der Überschrift zu diesem Beitrag denken, womit du natürlich auch total recht hast. Denn so gerne ich dieses Fest auch feiere: Jetzt ist erstmal Frühling und Sommer angesagt!  Und verarschen will ich dich auch nicht. Da sind andere deutlich besser…

Nicht zuletzt, weil es für mich bald endlich auf große Skandinavien Tour geht… Aber das soll hier und jetzt nur zu einem relativ kleinen, jedoch nicht unbedeutenden Teil in die folgenden Zeilen eingehen.
Schnapp dir deine Zimtschnecke und scrolle mit klebrigen Fingern durch die Zeilen. Wir spulen jetzt nochmal ein paar Wochen zurück!
Weihnachten 2025 steht kurz bevor, das Wetter belohnt uns mit stabil herbstlichen Temperaturen und das gebuchte Teilnehmenden-Feld für den Weihnachts Overnighter nach Dänemark verspricht wieder eine bunte Mischung aus Vorfreude, Glühwein und sternefunkelnden Nächten nach malerischen Sonnenuntergängen, die es so einfach nur hier oben im Norden geben kann.
Mit alledem im gedanklichen Gepäck und einem vollgestopften Drybag mache ich mich bereits einen Tag früher in der Abenddämmerung auf den Weg nach Flensburg. Ziel ist die Shelter-Anlage im Kollund-Skov.

Sundowner

Dort treffe ich mich mit Dennis. Der hatte mich überhaupt erst auf die Idee gebracht schon eine Nacht früher anzureisen und damit einen Nerv bei mir getroffen. Überraschenderweise sind fast alle Shelter belegt, was zumindest dem Plan, ein Feuerchen zu machen, eher kontraproduktiv gegenübersteht. Aus den Holzüberdachungen schnarch es nämlich bereits. So trinken wir unser Feierabendbierchen im Dunklen und kriechen schon sehr bald in unsere Schlafsäcke.
Die Nacht war angenehm mit entspannten Temperaturen über dem Gefrierpunkt. Entsprechend ausgeruht kamen wir gut raus und zurück auf die Bikes. Nach einem Frühstück im nächsten Supermarkt erreichen wir pünktlich den Treffpunkt bei der Plan B Kaffeebar.

Meetup @ Plan B Kaffeebar

Flensburg -> Haderslev

Hier bot sich ein Bild wie frisch von einer Critical Mass geschossen. Bürgersteig und Fahrbahn voll mit glücklichen Gesichtern, eingepackt in Buffs und Schals, teilweise sogar mit Beleuchtung und Weihnachtsschmuck an den Rädern! Großartig! Okay… die Meute in Lycra gehört eher zum Flott Cycling Club aus Flensburg, deren Mitglieder für heute eine Graveltour angesetzt haben. Da sich die Gruppe im nächsten Moment allerdings schon in Bewegung setzt, haben wir die Straße wieder für uns.
Es liegt was magisches in der Luft! Fahrräder werden bestaunt, Schmuck fotografiert.
Wir sammeln uns kurz, besprechen die Fahrt, klären letzte Fragen und radeln dann endlich los.

Ride On!

Die ersten Kilometer rollen sich wie immer sehr leicht. Schon kurze Zeit später liegen Wassersleben und der Grenzübergang Schusterkate hinter uns. Es folgt die allseits beliebte Steigung hoch in den Kollunder Wald. Gewartet wird hier fast immer, diesmal allerdings etwas länger. Die Gruppe hat den ersten Platten. 
Es wird gefixt, bis der Reifen wieder hält. Wir sind bereit weiter zu fahren.
Ein “Oh!” gefolgt von einem “Ich hab ja auch n Platten!” von Gunnar sorgt für allgemeines Amüsement. Hier rettet zum Glück das Tubeless Setup über weiter ausgedehnte Pausen hinweg, so dass wir nach ein paar kräftigen Hieben aus der Luftpumpe wieder genug Druck haben und die Fahrt fortsetzen können.

Wir folgen heute der Shelter Attack Route bis Haderslev. Knapp über 80km insgesamt. Viele kennen die Strecke bereits und sind entsprechend motiviert. So bilden sich dann schnell zwei Gruppen, die jedoch immer wieder zusammenfinden. In Aabenraa halten wir am Hafen Imbiss und gönnen uns den ersten HotDog der Tour. Leider muss uns ein Teilnehmer hier schon verlassen. Nach dem mittlerweile vierten Platten geht ihm so langsam die Motivation flöten.
Versorgt mit den nötigen Infos, wie er von dort aus am besten zurück nach Flensburg kommt, kann ich ihn guten Gewissens ziehen lassen. Zwei weitere Teilnehmerinnen beschließen ab hier ihr eigenes Tempo zu fahren, weil sie mit dem Tempo der Gruppe nicht mehr mithalten wollen. Auch diese starke Entscheidung wird selbstverständlich respektiert. Wir verabreden uns für später am Feuer, dann setzt sich das Feld wieder geschlossen in Bewegung. Es folgt eine knackige Steigung, die man so an dieser Stelle gar nicht erwarten würde, quer durch ein Wohngebiet inklusive kleiner Stufen Passage und natürlich beschließt Yours Truly ohne es vorher geplant zu haben den gesamten Zug mal kurz an der eigentlichen Durchfahrt vorbei zu manövern. Klassiker. Passiert mir mindestens einmal pro Ausfahrt, weil ich mich wieder irgendwo verquatsche.
Ein schallendes “eyyyyyy, hier laaaaang!” mit der Lungenkraft meines Sportlehrers aus der 8. Klasse gibt den notwendigen Reset vor und holt mich zurück in die Realität. Wir lenken ein, kurbeln weiter, ab durchs Gebüsch, ab in den Wald.
Hackenpedder Nils hat auch hier wieder ein Schmuckstück aus seiner Scouting Schublade gezogen und versteht es, eine galante Mischung aus gut fahrbaren Abschnitten zum Luft holen mit Single Trails, die einem entweder vor Staunen oder vor konditioneller Herausforderung die Fähigkeit normal zu atmen rauben, zu verbinden.

Irgendwo hier haut mein vor Dreck und Matsch bereits von allein stehendes Bonero einen bisher unbekannten Soundeffekt raus. Im weiteren Verlauf sollte mir dieses Knacken und Kratzen ordentlich schmutzige Finger und eine unfreiwillige Pause einbringen. An einem kleinen Anstieg reißt mir nämlich zum ersten Mal meine Kette. Dieser Tag musste kommen, heute ist er da. Zum Glück bin ich nicht allein. Dennis wartet, während ich mein Werkzeug auspacke. Irgendwo in der Werkzeugtasche finde ich ein passendes Kettenschloss. Es brauchte am Ende allerdings zwei Anläufe, um in dem ganzen Matsch irgendwo in der dänischen Prärie wieder eine sauber laufende Kette aufs Ritzel zu werfen. Aber es ging.
Abgeschlagen von der Gruppe, aber immerhin nicht allein, geht’s weiter.
Auf einsamen Wegen schneiden wir die kleine Landzunge über Aabenraa ab, bis wir in der Genner Bugt nach grünen Singletrails wieder die Ostsee erblicken.
Über die Hälfte ist schon geschafft, also Abrollen nach Haderslev. Das Feld hat sich mittlerweile verteilt, was zum größten Teil an mangelnden festen Pause Punkten liegt. Memo an mich: Sowas besser planen. Im Winter möchte halt einfach niemand im Wald auf’m Baumstumpf sitzen und auf den Rest warten.
So kommt es, dass Haderslev von mehreren kleinen Gruppen heimgesucht wird, allesamt mit dem Ziel der Eigenversorgung in essbarer Form. Emsig wird Holz fürs Lagerfeuer gekauft und auf den Lenkern verstaut. Die letzten Meter legen wir mit eingeschränkter Steuerbarkeit zurück.

Beim Eintreffen am Shelterplatz bin ich mit meiner Gruppe noch einer der Ersten.
Kurze Zeit später trudelt auch der Rest in spektakulärer Weise ein. Hätte Jemand an dieser Stelle den Weihnachts-Song aus der Cola-Werbung gespielt, es hätte wie “Ar*** auf Eimer” gepasst. Eine Kolonne aus hellen Scheinwerfern und bunten Weihnachtslichtern, die sich fröhlich gackernd durch die mittlerweile eingetretene Dunkelheit zum Shelter Platz schlängelt. Weihnachten, du schöne Zeit!
Noch lange sitzen wir nach dem Bezug der Shelter im Schein des Feuers und der Lichterketten. Geschichten werden erzählt, es wird geteilt, was da ist. Vor allem die dänische Schokomilch Matilde sollte während dieses Overnighters ihrem vom Shelter Attack vorauseilenden Ruf einmal mehr gerecht werden und die Kraft für den nächsten Tag im Sattel zurückbringen.

Haderslev -> Flensburg

Auch diese Nacht verwöhnte uns mit mild winterlichen Temperaturen, so dass selbst Oldschool-MTB Nerd Beek auf seinem Schaffell (Anm. d. Red.: Die Isomatte hatte er mal irgendwo vergessen.) nicht frieren musste. Vielleicht lag es auch an seinem Schlafplatz zwischen vier anderen Bikepackern, man weiß es nicht. Jedenfalls krochen alle Teilnehmenden mehr oder weniger fit aus ihren Sheltern zurück ans bereits lodernde Lagerfeuer.
Erstes Frühstück, Zusammenrödeln, Route auf die Navis und ab dafür. Kurz nach 9 setzt sich der Zug in Bewegung.

Lecker Bäcker
Für den Frühsport steht eine Rundfahrt durch den örtlichen Tiergarten sowie den angrenzenden Wald an. Ein paar Achterbahn-Hügel später sind alle wieder auf Temperatur und bereit für den Rückweg nach Flensburg. Dieser ist bewusst deutlich Asphalt haltiger gewählt worden, um die müden Knochen zu schonen. Ganz wichtig ist auch der Frühstücks-Stop in Rodekro nach etwa 20 Kilometern. Die Auslage des dänischen Bäckers enttäuscht nicht und überzeugt durch eine Vielzahl an süßen und herzhaften Leckereien. Im angeschlossenen Super Brugsen wird noch kurz der Matilde Vorrat aufgestockt, bevor es erneut auf die Bikes geht.
Morgenstund

An dieser Stelle teilt sich die Gruppe bewusst in zwei Lager auf. Zu groß ist der Wunsch, mit weniger Dauerpower in die Pedale zu treten. Trifft bei mir natürlich auf absolutes Verständnis, zumal mein Versuch, mit der Pace der vorderen Gruppe mitzuhalten sein Ende in Bjerndrup findet. Hier schwelge ich kurz in Erinnerungen an den letzten Bikepacking Trip mit meiner besseren Hälfte und den dortigen Shelterplatz bevor mich der Blick nach vorne dann wieder zurück in die knallharte Realität katapultiert. Ein letzter Versuch mit offener Federgabel die tieffliegenden Gravelbiker einzuholen, scheitert am nächsten Matschloch.
“Egal” denke ich mir und rolle weiter. Kurze Zeit später treffe ich auf Christin, die eiserne Kämpferin. Ihre Mitfahrerin ist bereits in Rodekro ausgestiegen, sie föhrt allein weiter. Getreu meinem Motto “Niemand fährt allein!” hake ich mich bei ihr ein. Zusammen bestreiten wir die letzten Kilometer, überqueren die Grenze bei Padborg und lassen uns an der letzten Steigung nach Flensburg rein von der zweiten Gruppe einholen. Gemeinsam treffen wir wieder am Ausgangspunkt unserer Reise ein. Hier löst sich die Gruppe schnell auf, teils um Züge zu erwischen, teils aber auch um noch Freunde zu besuchen oder, wie in meinem Fall, ein kräftigendes Mahl beim örtlichen Asiaten einzunehmen. Zu viert lassen wir uns nieder und überbrücken so die Zeit bis zur nächsten Abfahrt des RE7, der mich dann wieder heil zurück nach Rendsburg bringt.

Ein herrliches Wochenende liegt hinter mir. Ich schmunzele noch in mich hinein, packe mich in die Badewanne und lese den überraschend schnell erschienenen Bericht von Martin bei Biketourglobal… alter Streber ;P
Was er dort von magischen Winter-Momenten schreibt trifft genau das, was ich von diesem Overnighter erwartet hab. Vielen Dank auch an alle Teilnehmenden! Das machen wir wieder!

Holztransporter Pic by Simon
Holztransporter Pic by Simon
Lagerfeuer Pic by Annika
Lagerfeuer Pic by Annika
Feuerholz Pic by Leonie
Feuerholz Pic by Leonie

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