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Hackenpedder 2025 – Finally made it!

Thx @ Gunnar Dethlefsen
Thx @ Gunnar Dethlefsen

Tja, wie schwer kann es schon sein, ein paar einleitende Worte für einen Blogpost über ein Event zu finden, welches mich nun schon seit 2023 mit allen Höhen und Tiefen begleitet.Und wie lange kann das eigentlich dauern? Warum haben wir schon fast Winter und wieso ist der Sommer so verdammt schnell vorbei gegangen?

Nicht auf jede dieser Fragen werde ich im Folgenden antworten können.

Manches hat marketingtechnische Gründe, für den Rest müsste ich mir einfach eingestehen, dass mir das Bloggen zwar Spaß macht, ich jedoch die Prioritäten in meinem Leben anders ordne. Ah Mist… jetzt ist es raus. Aber egal! Fassen wir den ersten Satz auf und haken wieder bei jenem Event ein, welches, ähnlich einem Kind, von einem Menschen aus der Wiege gehoben wird, Jahr für Jahr aufs Neue und jedes Mal mit einem kleinen wohlüberlegten Upgrade, erdacht irgendwo zwischen Dornbüschen und einer wilden Schlammschlacht. 

Ich rede natürlich vom Hackenpedder und davon, was Nils uns da geschenkt hat. Von all der Energie, die dafür aufgewendet wird und von der Begeisterung, die es auslöst.

Es ist leicht davon zu schwärmen und es wäre ebenso leicht, direkt in die Vollen zu gehen und euch an die Startlinie des 2025er Hackenpedder zu entführen.

… Jedoch habe ich mich dazu entschieden, euch vorher noch einen Einblick in meine persönliche Beziehung dazu – oder auch zum Bikepacking und Radreisen allgemein – zu geben. Ich versuche auch, mich einigermaßen kurz zu fassen. Und solltest du den Shortcut wählen wollen: Der Prolog ist als solcher gekennzeichnet.

Ein Prolog

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Es ist 2019, meine Frau ist weg und bräunt sich zwar nicht… aber das ist eine andere Geschichte. Kein Druck auf die Tränendrüse hier. Die Info ist bloß wichtig, um diesen Anflug von Midlife-Crisis zu verstehen. Den plötzlichen Willen, irgendwas zu machen, was anzufassen, was zu ändern. Klar… da gibt’s gleich mehrere Möglichkeiten, von denen ich neben Reisen in fremde Länder und neuen Dating Erfahrungen auch einige nutze. Eine davon sollte sich jedoch als Grundstein für das Fahrradfahren, wie ich es heute betreibe, herauskristallisieren. Doch zuerst gucken wir da hin, wo jeder leicht zu beeinflussende Mensch erstmal hinschaut. Ins Internet! Da gibt es nämlich dieses YouTube mit den ersten Videos mittlerweile sehr bekannter Influencer, die sich auf ihren Bikes in die Weltgeschichte stürzen. Und wie ich so auf dem gemütlichen Sofa vor mich hin schimmele, fällt mir beim Thema “Schimmel” noch was ein.

Draußen im Schuppen vergammelt doch dieses alte Diamant Trekkingrad. Da müsste man… also… da kann ich doch was draus machen. Genau. Wenig Wartungsaufwand bitte. Das ist es!

Singlespeed! Machen die bei YouTube doch auch.

Ich besorge mir also ein paar Teile, wälze mehr oder weniger gute Anleitungen und schraube zum ersten Mal in meinem Leben mehr Teile von einem Fahrrad ab als nur die platten Reifen.

Heraus kommt ein mehr oder weniger spaßiges Gefährt, mit dem ich meine ersten Runden durch die heimische Materie strampele und Blut lecke!

Ich erinnere mich sehr gerne an meine spontane 80 km Tour, während der ich mit diesem Geschoss die Kieler Levensauer Hochbrücke überquere. Dieser Ausblick von da oben ist schon was richtig besonderes – und nein, auf dem Foto oben sehen wir nicht die Hochbrücke, dafür das Bike. Die gelbe Kette als Highlight hatte sich allerdings aufgrund unterschiedlicher Verständnisse von Qualität relativ schnell erledigt.

Sei es drum, der Hobel hat Bock gemacht. Andere Reifen drauf, neuer Vorbau, neuer Lenker… was soll schon passieren?! Ich spüre diese Freiheit in mir (Hey… das ging aber schnell!)

Der erste Schrauberversuch

Fast Forward – Corona. Ja… das gab es auch noch. Und auf einmal finden sich überall Spuren von diesen Gravel Bikes. Kennt ihr das, wenn ihr den Eingang des Rabbit Holes erreicht habt und euch diese lieblichen Stimmen hinein locken? Ich kann an dieser Stelle meiner Zeitachse jedoch noch widerstehen, besorge mir dank der neuen Möglichkeit des JobRad Leasings sogar erstmal ein Hardtail MTB beim Kieler Velocenter (Props gehen raus!). “Stevens” steht ab sofort auf meinem Rahmen, “Devils Trail” im Kleingedruckten und “Wildnis” auf meiner Stirn. Habe ich die Felder und Wälder in der Umgebung unsicher gemacht? Yes Sir! Und habe ich einfach immer mehr Spaß dabei?! Auch das. Mein YouTube Feed besteht mittlerweile nur noch aus Downhill- und Flow-Ride Videos, mein Komoot Konto aus Möglichkeiten mich neu zu fordern und meine Urlaubsplanung rückt dieses Fahrradfahren erstmals in den Fokus, als es dann – nach Corona – mal wieder losgehen darf.

Rahmentaschen, Arschrakete, zig Gespräche mit Pascal, Streckenplanung via Komoot. Sollte passen.

Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin! Und ich schreibe für mich Geschichte, denn ich fahre zum ersten Mal mit dem Fahrrad über mehrere Tage irgendwohin und finde es einfach nur geil! Level-Up freigeschaltet. Gib mir mehr davon!

Warum schreibe ich das hier herunter? Warum musstest du bis hierhin lesen, um dich nun gleich mit mir in mein Hackenpedder Abenteuer zu stürzen? Nun, zum Einen hat mir schon meine Deutschlehrerin damals bescheinigt, dass ich mich bei Aufsätzen oft viel zu lang fasse, ausschweife und unnötig lange Kettensätze formuliere, die aufgrund ihrer eventuellen Komplexität manchmal schwer nachzuvollziehen sind und dem geneigten Leser den Flow der Geschichte nehmen können, obwohl sie inhaltlich richtig sind und benötigte Info enthalten… Punkt, Punkt, Punkt

Weitere mögliche Gründe: Ich bin einfach begeistert von dieser Thematik und möchte dir irgendwie erklären, warum das so ist. Und auch für das Ankommen in der Geschichte ist das irgendwie wichtig. Bisher hast du vermutlich einfach nur gemerkt, dass es nicht sinnvoll ist, diesen Post auf dem Klo zu lesen (und falls du es doch tust, massiere bitte zwischendurch deine Oberschenkel für die Durchblutung).

Ich möchte dich aber auch gar nicht mehr länger auf die Folter spannen, deinen Aufmerksamkeitsbogen überspannen oder dich weiter mit schnödem Pathos berieseln.

Lass uns jetzt einfach anfangen. Schnapp dir n Bier oder n Tee und mach es dir gemütlich im aktuell grauen Herbst Alltag. Wir gehen jetzt in Gedanken zurück in den Sommer.

Tag 0

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Anders als im letzten Jahr verbringe ich den heutigen Tag nicht beim Hackenpedder Check-in vor Ort, sondern packe mit fleißiger Unterstützung all den Kram für die kommende Woche zusammen.

Zwar habe ich mir beim Befüllen der Taschen nicht ganz so viele Gedanken gemacht, wie einige aus der Hackenpedder Community, die schon seit Tagen die WhatsApp Gruppen mit Fragen und Fotos fluten, jedoch sind sowohl diese Einflüsse als auch meine Erfahrung aus vorangegangenen Trips ausschlaggebend für mein diesjähriges Setup.

Ich nenne es “Gediegener Luxus Light”

Zutaten:

  • Tarp, Hängematte, Isomatte, Schlafsack, Kissen (!!!)
  • Merino Wäsche für die Nacht
  • Leichte Jacke
  • Badehose, Handtuch
  • Deo, Duschgel, Zahnpasta, Zahnbürste, Arschcreme, Erste-Hilfe-Kit
  • Licht, Navi, Powerbanks
  • leerer Stauraum für Futter
  • Wasserflasche 1L, Trinkflasche 950ml
Fleißiges Helferlein

Ganz wichtig auch: Aero, Aero, Aero!

Und wenn du dabei jetzt an rasierte Beine, Auflieger und die Haltungsform eines Südsee-Shrimp denkst… falsch gedacht. Ich lasse mir schlichtweg das Kopfhaar auf 3mm kürzen, damit die Schafwolle nicht für unnötige Isolierung sorgt. Es soll nämlich warm werden!

Finale Beschau des bepackten Günthers, Bierchen… basst scho! Kann morgen losgehen.

Tag 1

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Die Sonne scheint bereits, als ich am Startpunkt Velocenter Kiel ankomme. So richtig viel ist noch nicht los, allerdings ist klar, dass sich das innerhalb der nächsten Stunde ändern wird.

Genannte Stunde vergeht wie im Flug, während ich mich mit ein paar bekannten Gesichtern über das bevorstehende Abenteuer unterhalte. Wieder mal super interessant, wie verschieden die einzelnen Teilnehmenden die Sache angehen. Da sind z.B. Svea, Alex und Linus, die jeder für sich ein möglichst zeitiges Finish anstreben und sich entsprechend seelisch vorbereitet haben. Da sind aber auch andere, wie meine liebe Fahrradfreundin Conny, mit der ich mir für dieses Jahr einfach nur vorgenommen habe, das Ding zu Ende zu fahren. Shortcut, bis spätestens Donnerstag. Sollte ja machbar sein. 

Kurzer Fototermin bei Gunnar und Zack, stehen wir auch schon an der imaginären Startlinie. 

Thx @ Gunnar Dethlefsen
Thx @ Gunnar Dethlefsen

Vorher hören wir uns allerdings noch an, was Nils zu sagen hat. Quasi das Einschwören auf die kommenden Tage.

Die allgemeine Stimmung und Vorfreude ist spürbar, die Sonne scheint. Es kann losgehen… und als Nils dann kräftig mit der Hackenpedder Flagge wedelt, kündigt das charakteristische Einrast-Geräusch der Fahrradschuhe um uns herum die allgemeine Abfahrt an. Hackenpedder 2025: “HERE WE RIDE!”

Mastermind
Pic by ???
Pic by ???

Diesmal wieder im Uhrzeigersinn, was bedeutet, dass ich diese unsägliche Westküste Dank Shortcut einfach nicht fahren muss. Wir erinnern uns… Stimmungstiefpunkt 2024. Davon bin ich in diesem Jahr jedoch extrem weit entfernt. Conny, Felix und ich treten als nahezu Letzte in die Pedalen und begeben uns endlich auf den ersten Abschnitt, entlang der Ostsee, Hohwachter Bucht mit Sonnenschein im Nacken.

Die ersten paar Kilometer fliegen schnell vorbei. Bekanntes Kieler Gravel Umland. Felix hängt uns schon nach kurzer Zeit ab. Zu viel Wumms in den Waden. Wir lassen ihn ziehen, rollen durchs Rönner Holz, weiter über die Schwentine und ins Einzugsgebiet der Schuster 8 im Bereich Rastorf. Die Sonne macht einfach Bock. Hier und da ziehen wir an weiteren Mitfahrenden vorbei, ein Pläuschchen und immer weiter. Die Strecke wechselt gekonnt zwischen Feldweg, Waldautobahn und ein paar kurzen Asphalt Segmenten.

Kurz hinter Emkendorf geht’s rauf zum Hessenstein. Den hatte ich beim Matschfuss das erste Mal gesehen und direkt erklommen. Die Rampe ist mit etwas mehr Gepäck am Rad zwar nicht gerade leichter, jedoch kann ich mich noch sehr gut an die folgende lange Abfahrt über astreine Waldwege erinnern. Wird Zeit, diese Erinnerung aufzufrischen. Und am besten geht das doch mit anderen Menschen zusammen. Einer davon ist Chris, den wir irgendwo am Straßenrand aufgelesen hatten, nachdem er seinem zu hoch gewählten Anfangstempo erlegen war. Und so rollt dieses neu gebildete Trio nun weiter, vorbei am Trekkingplatz Hessenstein, der mich zum ersten Mal so richtig an mein erstes Hackenpedder Abenteuer 2023 erinnert. Damals traf ich hier einen einsamen Bikepacker und hatte selbst schon die Idee, den Tag irgendwo hier zu beenden. Zu verlockend war allerdings damals das nahe gelegene Lütjenburg, welches wir diesmal auch diesmal ansteuern. Nicht jedoch, ohne das erste Mal auf dieser Tour so richtig in die Kurzatmigkeit zu kommen. 8700 cm purer Grashügel Singletrack wurden soeben erklommen, die Aussicht: Herrlich.

Vorbei an der Turmhügelburg, der ich irgendwann unbedingt nochmal einen touristischen Besuch abstatten muss, vorbei auch an Lütjenburg und weiter an die Hohwachter Bucht. Das dortige Naturschutzgebiet lädt an diesem Tag natürlich etliche Menschen zum Flanieren und Sonne genießen ein.

... dünne Luft!
Hohwachter Bucht

Der klebrige Duft von Eiscreme liegt in der Luft. An der ersten sandigen Passage direkt hinter den mit Seegras bewachsenen Dünen des Ostseestrands werden wir von der Aperol Spritz trinkenden Meute rund um den dortigen Imbiss angefeuert. Absteigen müssen wir trotzdem und nutzen die Chance direkt, um uns unserer Radklamotte zu entledigen und den Weg ins kühle Ostsee Nass anzutreten.

Beste Idee des Tages. Jasper und Nickel kommen auch mit.

Pic by Chris
Pic by Chris

Es ist mittlerweile irgendwas zwischen 14:30 und 15:00 Uhr, als wir nach kurzer Abkühlung wieder auf die Bikes steigen und die Hohwachter Steilküste angreifen. Schon wieder anhalten ist eigentlich keine Option, jedoch bleibt beim gebotenen Anblick gar keine andere Möglichkeit. Felix hat es hier offenbar auch gefallen. Zumindest schickt er mir später noch ein entsprechendes Foto.

Hohwachter Bucht
Pic by Felix / East Side Gravel
Pic by Felix / East Side Gravel

So… nu aber. Weiter im Text, ab auf den Track. Bis zum Ende in Lübeck an der Wakenitz sind es noch sportliche 140 km, eine Bungsberg Überquerung inklusive. Die greifen wir als nächstes an, stärken uns allerdings vorher kurz mit Pommes und Kaltgetränk im Eselpark Nessendorf. 

Der Anstieg selbst ist heute einfach nicht machbar. Der steile Grashügel schmeißt dermaßen Hitze, dass wir nur schiebend und schnaufend weiterkommen und erst Minuten später schweißnass, aber glücklich am höchsten Landpunkt Schleswig-Holsteins ankommen. Fotopoint #1 erreicht.

Bungsberg erklommen
Bungsberg erklommen

Die Lehre des Radfahrens sagt ja immer folgendes aus: Wo es rauf geht, geht’s auch irgendwie wieder runter und wie schon vorhin beim Hessenstein können wir die nun folgende Abfahrt so richtig genießen.

Weiter, immer weiter durch die Holsteinische Schweiz. Die Kilometer fliegen dahin, die Stunden auch, das Tageslicht bleibt. Als wir heute in Eutin ankommen, haben wir offenbar Glück, weil der Rosenstadt-Triathlon zwar schon aufgebaut ist, uns aber noch frei das Ufer des großen Eutiner Sees passieren lässt. Wir gönnen uns eine deutsch-türkische Brottasche nach Döner-Art und beschließen, aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit so langsam ein Ziel zu finden. Der nächste Wildes-SH Trekkingplatz in Ahrensbök scheint für heute nicht mehr im Bereich des Realistischen zu liegen. Zumindest nicht ohne in die Dunkelheit zu fahren und gar nicht so richtig zu wissen, wie es da wohl aussieht. Unser vorläufiges Ziel ist also erstmal der nächste Campingplatz in Bosau am See, der allerdings auf sämtliche Vorab-Anfragen seitens der Hackenpedder Community eher schlecht bis gar nicht reagiert haben soll. Wir schauen uns das Ding an. Ansonsten geht’s eben noch weiter. 

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf decken wir uns noch kurz beim nächsten Supermarkt ein. In einem nicht mehr nachvollziehbaren Techtelmechtel zwischen meinem limbischen System und meiner Amygdala entscheide ich mich dafür, mir noch kurz n halben Liter aus einer grün-schwarzen Dose Energy reinzuziehen und das Wasser in meiner Trinkflasche durch Zugabe eines Koffeinhaltigen Getränke Pulvers mit aufputschender Wirkung auszustatten. Warum dies eine richtig behämmerte Idee war, stellte sich kurze Zeit später in Bosau heraus.

Am dortigen Campingplatz angekommen, trafen wir auf weitere Hackis (Anm. d. Red.: Hab ich mir ganz allein ausgedacht!), die uns mit der frohen Botschaft empfangen, dass der Platzwart gleich nochmal vorbei kommen würde, um uns mit einem zwingend notwendigen, gefühlt Stunden dauernden Aufnahme Prozess in seine Gästekartei aufzunehmen und uns mit Karten fürs Waschhaus auszustatten. Geil!

Wir bauen kurz auf. Conny konstruiert aus Tarp und Picknickbank ein halbwegs ansehnliches Schlafquartier, Chris residiert königlich in seinem Zelt und ich schnappe mir einen ca. 50 cm langen Stock, den ich als einzige Stange zum Abfangen meines ansonsten flach auf die Erde genagelten Tarps verwende. 9 m² Hundehütte mit absolut null Kopffreiheit. Immerhin nerven keine Mücken.

Wir nehmen noch ein Nacktbad im angrenzenden See und kriechen dann jeder für sich in unser Nachtlager.

Was jetzt folgt, ist die Kurzform meiner Nacht.

Ich liege wach. Lange. Döse, liege wach, döse, liege wach, schlafe n bisschen, liege wach, stehe auf. Ich beschließe, dass die Nummer beim Supermarkt so richtig dumm war und nehme diese Lehre für mich mit. Aber hey… es steht ein neuer Tag bevor, ich lebe noch und so richtig erledigt bin ich auch nicht.

Tag 2

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Ganz anders als Conny, die auf mein “Guten Morgen” irgendwie gereizt reagiert und behauptet, sie hätte gar nicht geschlafen. Angeblich hätte ich etwas lauter geatmet und sie wäre bei jedem Rascheln aus meinem Katastrophentarp wach geworden. Nunja… vielleicht hatte ich meine abwesenden Momente.

Chris hingegen sieht aus wie das blühende Leben. Somit können wir den zweiten Tag Hackenpedder angehen und unsere Bikes wieder berödeln.

Anders als die Logik es gebietet, sind Conny und ich allerdings schon lange wieder abfahrbereit, als Chris sich mit Zahnbürste und Duschgel bewaffnet ins Waschhaus begibt. Naja, Eile ist ja eigentlich auch keine geboten.

Der heutige Tag hat erstmal Lübeck als Ziel. Die Schnellsten sind dort gestern schon im Lauf des frühen Abends angekommen, einige noch weiter gezogen. Für uns enthält die Fahrt dorthin noch circa 60 km. Und da mir einst mein weiser Arbeitskollege den Leitsatz “ohne Mampf, kein Kampf” hinter die Ohren geschrieben hat, suchen wir uns erstmal einen Bäcker. Dort vorhandene Fahrrad Reparaturstation wird noch kurz genutzt, um meine marodierende Gangschaltung durch Chris Zauberfinger wieder in einen absolut schnurrigen Zustand zu versetzen, so dass wir dann frisch gestärkt back on track fahren. 

Später in den Heidmoor Niederungen werden wir kurz an den Vortag erinnert. Uns präsentiert sich ein wunderschönes Naturschutzgebiet mit holprigen Gras-Trails und einer nicht zu verachtenden Steigung auf ein kleines Hochplateau. Oben angekommen, dann der erste entfernte Blick auf die Lübecker Skyline mit ihren sieben Türmen. Warum der Landstrich hier “Niederungen” heißt und überwiegend aus kleinen Hügeln besteht, ist mir allerdings bis heute ein Rätsel. Vielleicht sind die Zwischenräume gemeint. Die, in denen malerisch die Kühe grasen, an denen wir vorbei fahren, um irgendwann dann den Stockelsdorfer Fernsehturm zu erreichen. Ich rieche hier Heimat und weiß gleichzeitig auch, dass wir noch kurz einen kleinen Schlenker über den Clever (“Kleehwär”… nicht clever) Berg machen. 

Einfahrt nach Lübeck, diesmal über Vorwerk und die Schwartauer Landstraße. Für mich ist das plötzlich auf dem Holstentorplatz erscheinende Holstentor als Fotopoint #2 keine Überraschung, meine beiden Mitstreitenden wirken doch etwas überrascht. Wir lichten uns ab, düsen allerdings ob der Touristenmassen direkt weiter. Schließlich wartet das Kanucamp an der Wakenitz am CP#1 noch mit frisch gekochter Pasta auf uns.

Fotopoint Holstentor

Da auch heute die Temperaturskala deutlich oberhalb der 20 Grad Marke einrastet, pausieren wir kurz vor Herrnburg an einer Tankstelle im Schatten. In Gedanken bin ich bereits an der Herrnburger Binnendüne und den Wakenitzniederungen, die uns gleich mit ihren sandigen Wegen erwarten, wohlwissend, dass meine geliebte Wildquerung über die A20 in diesem Jahr aus dem Programm gestrichen wurde, weil so eine Wildquerung schließlich für Wild und nicht wildgewordene Bikepacker da ist. Wir überqueren die Autobahn also zivilisiert an anderer Stelle und lassen diesen wunderschönen Streckenabschnitt hinter uns. Noch ein paar Pedalumdrehungen, dann ist schon die Wakenitz in Sicht.

CP #1 erreicht.

Wir stärken uns mit frisch gekochter Pasta und kohlenhydrathaltigen Snacks. Der Flurfunk berichtet von aufziehenden Regenwolken, denen wir kurzum mit folgendem tollkühnen Plan begegnen wollen. Wir fahren ihnen einfach entgegen und untergraben ihre nässende Macht über uns. Gesagt, getan. Wir strampeln los, die ersten Regentropfen treffen uns und schon kurze Zeit später sehen wir uns einem dauerhaften Regenguss ausgesetzt, der, anders als erwartet, entspannte zwei Stunden anhält. Es ist zwar warm, trotzdem fühlen sich die nassen Klamotten so langsam gar nicht mehr so geil an.

Wir überholen ein paar Hackis, während wir so im Regen dahin strampeln, die Bremsen der Bikes klingen vom ganzen Sand schlimmer als Miley Cyrus während sie Ihre metaphorische Reise erklärt und nahezu jeder See auf diesem Teilstück sieht einladender aus, als die Wege vor uns.

An diesem Tag wird das Handy deutlich öfter herausgeholt, gecheckt, wo der nächste Übernachtung Spot sein könnte… Doch außer Zarrentin am Schalsee wirkt hier erstmal nichts so richtig passend. Wir sind nass, wir brauchen einen trockenen Spot. Und wie wir so in Zarrentin ankommen und uns mittlerweile doch leicht zitternd beim lokalen Dönermann einnisten, spricht uns plötzlich ein Mann an. 

Der sieht zwar nicht so aus, als wäre er heute schon auf der Route unterwegs gewesen, kann uns jedoch glaubhaft versichern, dass das einfach nur an der heißen Dusche liegt, die er bereits hinter sich hat. Im nahegelegenen Gasthof seien noch zwei Zimmer frei und wenn wir uns jetzt mal fix telefonisch mit der Wirtin in Verbindung setzen würden, wäre dort sicher auch noch Platz für uns.

Die Beratungsrunde zwischen Conny, Chris und mir fällt schmal aus. Wollen wir? Jo!

Und so parken wir schon wenige Minuten später unsere Bikes unter dem Terrassenvordach unserer Zimmer für die kommende Nacht. Die anschließende heiße Dusche weckt die Geister, die Aussicht auf eine Nacht in warmen Federn hat schon irgendwie was Beruhigendes.

Auch die Bikes bekommen mit Hilfe des mit Wasser gefüllten Zimmer-Mülleimers, meines Schmuddeltuchs und ein wenig Kettenöl die Liebe, die sie benötigen. Dieser Tag endet früh, jedoch sind wir uns einig: Die Nachtruhe haben wir uns verdient.

Tag 3

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Die Nacht war erholsam. Mit Chris in einem Zimmer konnten auch nochmal die Anschuldigungen des Vortages zurecht gerückt werden. Seiner Wahrnehmung nach habe ich kein Stück geschnarcht oder sonstige Geräusche von mir gegeben. Er habe mich gar nicht wahrgenommen! So nämlich, Conny!

Uns weckt der Wecker, uns lockt der nächste Teil von Etappe 2. Und der Hunger.

Zum Glück gibt es in Zarrentin einen Bäcker mit prall gefülltem Tresen.

Pic by Chris
Pic by Chris

Wir schaufeln uns meterweise Kalorien rein, bevor es dann wieder auf die Strecke geht. Heutiges Ziel: CP#3 in Wittenborn am See. Dort erwartet uns ein schickes Zeltlager mit Lagerfeuer, Grillhütte uuuuund again: Pasta! 

Als dann die schnellen Kohlenhydrate in unseren Körpern zu wirken beginnen und wir die ersten Kilometer gerollt sind, wird mir eins klar. Wir sind auf Etappe 2. Die Etappe, die ich von Allen am liebsten fahre. Die Etappe mit dem höchsten Offroad-Anteil, der wilde Osten, die Etappe mit dem geschichtsträchtigen Todesstreifen, die Etappe, die uns an Michael Gartenschlägers Denkmahl vorbei führt. Ja, dieser Teil löst in mir immer wieder Begeisterung aus. Keine Begeisterung im klatschenden und Purzelbaum schlagenden Sinne, vielmehr Begeisterung darüber, wie gewaltig Orte mit Historie sein können. Ich denke an die vielen Soldatenfriedhöfe in der Normandie oder an weite Felder voller Schlacht-Epen. Heute fahren wir mitten durch die deutsche Geschichte. 

Nun könnte man beim Todesstreifen von Kilometer langer Einöde sprechen. Allerdings wird das diesem Ort (wie man aus meiner bereits beschriebenen Begeisterung eventuell herauslesen kann) einfach nicht gerecht. Das Gefühl, dort zu fahren, wo einst Zäune und Wachtürme standen und wo Selbstschussanlagen auf Menschen geschossen haben, lässt mich die dortige Stille ganz anders wahrnehmen.

Weiter geht’s über wilde Wege zu einem Punkt auf der Route, der auf den ersten Blick ziemlich random wirkt. Warum sollte ich den angezeigten Bogen von nur ein paar hundert Metern da vorne fahren und was zum Geier soll an der Bretziner Heide so spannend sein? Und auch hier sagt der Westküstenliebhaber wieder: Viel zu bergig, viel zu wenig Deich. Aber der Teil in mir, der sich gerade an Heidelandschaften nicht sattsehen kann, frohlockt wieder. Wir erklimmen den kleinen Hügel nur wenige Meter von der Straße entfernt und schauen uns um. Nur unsere gesteigerte Atemfrequenz durchbricht schnaubend die Stille. Herrliche Natur!

Nun aber Hacken in’n Teer. Das Begeisterungs-Stroboskop ist bis zum Zerbersten mit tollen Eindrücken gefüllt. Bis Boizenburg reicht das locker, zumal diese nächste Station unserer Tour nun kaum noch zwei Steinwürfe entfernt ist. Hier wird dann die Deich-Geilheit auch wieder befriedigt. Links von uns aufgeschüttetes Land mit Schafen, unter uns Lochplatten Wege, über uns die Sonne!

Pic by Chris
Pic by Chris
Drei, Vier!
Eat it!

Kurze Eispause auf dem lokalen Marktplatz, dann weiter. Lauenburg ruft. Die lange Steigung hoch zum Checkpoint Harry, einem ehemaligen Grenzübergang, der bis vor ein paar Jahren noch ein Restaurant war. Im Anschluss dann Achterbahn durch den Wald mit knackigem Auf und Nieder über Spurplattenwege. Jetzt wieder am Deich lang, wieder Schaf Viecher, allerdings die gute Aussicht, gleich die Elbe zu queren, durch die wunderschöne Innenstadt zu cruisen und im Anschluss die Hänge des Hohen Elbufers zu erklimmen. Und wie war das noch? Was wir hochfahren, fahren wir auch runter. Zart an der Bremse, hart am Gas, werden die angenehm breiten Waldwege hier Opfer unserer mittlerweile auf einem Hochsitz gastierenden Laune.

Kurz vor Krümmel dann der Knick Richtung Norden, der nur zwei Dinge heißen kann. Erstens: Wir haben den südlichsten Punkt der Hackenpedder Runde soeben hinter uns gelassen. Und Zweitens: Vor uns liegt der Sachsenwald! Ein unglaublich schönes und ziemlich prächtiges Waldareal, bevölkert hauptsächlich von Wildschweinen, deren Fährten Nils offenbar bei der Routenplanung gefolgt ist.

Das schaffen wir natürlich nicht, ohne uns nochmal zu stärken, weshalb wir den Track Höhe Schwarzenbek für ein ordentliches Stück verlassen, um nochmal kurz eine Fresspause beim nächsten Supermarkt einzulegen. So gestärkt fliegt das wilde Gestrüpp nur so an uns vorbei. Es ist Nachmittag, als wir den Großensee erreichen. Dieser lädt zwar ganz herzlich zum Baden ein, jedoch ist unser nächstes Ziel Ahrensburg, Foto Checkpoint am Schloss, Eis in der City, Fußbad im örtlichen Brunnen.

Brunnenkriese
Fotopoint Schloss Ahrensburg

Knapp 125 km drin, noch knapp 40 km bis zum Ziel am Zeltlager in Wattenbek. Beine? Völlig ok. Körper? Spürbar, aber robust. Was so langsam die Flatter kriegt, ist das Nervenkostüm. Vor allem Conny braucht doch deutlich mehr Aufmerksamkeit als sonst. Wir fahren und lenken uns mit simplen Spielen ab. Es ist kein “ich kann nicht mehr”… es ist mehr ein “ich weiß auch nicht, was gerade los ist, aber die Drogen wirken nicht mehr!”.

Durchbeißen! Nicht den Lenker, sondern auf der Strecke. Der Fokus klebt am Horizont, an dem sich so langsam die Abendstimmung ankündigt. Wittenborn in 10 km. Wir strampeln, irgendwie irre, irgendwie mit Heimweh. Auf dem Navi erscheint was blaues. Vor uns nur Wald, enge Wege. Wo soll das hier sein? Und dann der Geruch von Feuer! Das muss es sein. Da unten glitzert der See, da vorne scheint ein kleines Licht und ur-plötzlich winkt uns die Hackenpedder Fahne entgegen und wir rollen nach 163 km auf den Zeltplatz Wittenborn.

Jeden Tag!

Der Abend beschert uns frische Pasta, Gespräche mit Weggefährtinnen, eine lang ersehnte Dusche und Zeltlager Vibes! Ich fühle mich in eine Jugend zurückversetzt, in der die Großen schon Bier trinken durften und ich das erste Mal sehen durfte, wie jemand schwankend zu “Killing in the Name of…” durchs Zelt mosht. Der Matratzenhorchdienst ruft zur Schicht im Schacht. Ende Gelände.

Tag 4

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Ich wache gut erholt auf. Ganz im Gegenteil zu Conny. Die steht vor mir, guckt mich an und behauptet allen Ernstes, dass Sie heute nach Hause fahren würde. Is nich drin Conny, is nich drin! Wir hatten uns vorher gesagt, dass wir das Ding zu Ende fahren und das werden wir auch.

Kurzes Organisationsgespräch, Abklären von Zielen für den Tag. Ja, auch das gehört dazu, wenn man sich auf so eine Reise begibt. Der innere Schweinehund will an der einen oder anderen Stelle gezähmt werden. Hackenpedder heißt auch Community und Zusammenhalt. Wir lassen uns nicht im Stich. Somit steht der Plan nach kurzer Recherche. Wir fahren bis Burg in Dithmarschen. 130 km. Machbar, vor allem, wenn dort eine feste Bleibe auf uns wartet. Zwei Schlaffässer dürfen es sein. 

Passenderweise spielt Chris mit und beschließt, den Tag auf eigene Faust wieder etwas mehr zu “ballern”. Das vor uns liegende Streckenprofil verspricht entsprechende Möglichkeiten aufgrund fehlender Höhenmeter. Wald, Feld und Nord-Ostsee Kanal. Ich würd’ sagen: “Lass los, or wha?!”

Wittenborner Heide, Segeberger Staatsforst… Brandenburg Vibes for free! Das Wetter wieder Premium! Die Laune bald schon wieder auf 9,8. Wir brettern am Hartenholmer Flugplatz vorbei, ich schwelge wieder in Erinnerungen. Fand ich schon 2023 geil! Hab ich mich drauf gefreut! Und mit eben dieser nun erfüllten Vorfreude lege ich den vor mir liegenden Weg mit Leichtigkeit zurück.

Das flache Land zwischen Segeberg, Kaltenkirchen und Bad Bramstedt lädt dazu ein, einfach mal hängen zu lassen. Wenig Anstrengung, viel Cruisen. Wir quatschen über dies und das, pinkeln wild in die Felder und pflücken im Vorbeifahren Blumen. Der Windschatten eines Treckers spornt uns zu ungeahnter Hochleistung an.

Da schau! Blume!
Pipipause

Kurz vor Breitenburg dann ein weiteres Highlight der Etappe. Der Breitenburger Kanal Seitenweg. Ein Höllenpfuhl aus hohem Gras, Mücken und Unebenheiten, welches sich auf knapp 5 Kilometern vor uns spurgerade gen Ahnungslosigkeit erstreckt. Wir sind nicht die Ersten hier, aber auch nicht die Letzten. Chris ist nur wenige Minuten vor uns da durch gebrettert und hat sich direkt mal den Segment KOM bei Strava geholt. Respekt, Diggi!

Da es heute wieder besonders heiß ist und wir uns bisher wenig davon gegönnt haben, folgt als nächstes das obligatorische Tankstellen Eis kurz vor dem nächsten Highlight, der Binnendüne Nordoe. Schon wieder so ein Stück Land inmitten der Zivilisation, mit dem ich einfach nie gerechnet hätte, welches mich aber erneut flashed. Fahrbar eigentlich nur, wenn man entweder nur 32 kg wiegt oder Radfahren in der Wüste gelernt hat.

Binnendünenwüste
Pic by Conny
Pic by Conny

Aber uns hetzt hier ja nichts. Wir genießen den kurzen Strandurlaub und radeln zum Nord-Ostsee-Kanal, der Aorta, der heimlichen Grenze zwischen Süd-Dänemark und Nord-Deutschland. Es soll ja Menschen geben, die es geil finden, West nach Ost für knapp 100 km am NOK entlang zu radeln. Als Anwohner begnüge ich mich damit, diese Wasserstraße fast jeden Tag kreuzen zu müssen und bin daher froh, wenn wir die paar Kilometer Kanal Seitenweg zwischen Glückstadt und St. Magarethen schnell hinter uns bringen. Und weil mich das geistig so geschlaucht hat, zieht direkt der Kadaver nach und verlangt mitten im flachländischen Nirgendwo nach Energie in Form von: “eigentlich is mir das verdammt egal, hauptsache was zu Beißen!”

Welch glückliche Fügung, dass der Nabel Dithmarschens, an dem wir uns quasi gerade befinden, einen fast schon frech üppig ausgestatteten Tante Emma Laden im Ortszentrum vorzuweisen hat. Ich gönne mir eine Packung Kartoffelsalat und sitze mit Conny neben sowas wie einer Dorf Ikone. Ich nenne ihn “Kai”. Kai prügelt sich gerade einen kompletten Becher Nutella Eis (auf den ich übrigens verdammt neidisch bin) rein und wird von jedem der gefühlt 93 vorbeifahrenden Trecker gegrüßt. Lebensziel: Kai sein!

Energetisch frisch aufgetankt ist es heute Conny, die mich weiter vorantreibt. So viel haben wir aber auch nicht mehr auf dem Zettel. 

Fotopoint Fähre
Fass passt!

Höhe Kudensee queren wir den NOK und halten dann auf Kuden zu, wo uns der dortige Übernachtungsplatz erwartet. Diese liegt ziemlich malerisch auf einer nicht zu verachtenden Anhöhe und bietet auf der Anfahrt eine steile, sandige Rampe, auf der ich mich spontan entscheide den Körnungsgrad des Untergrunds mit der gesamten linken Körperhälfte zu erspüren. Immerhin liegt es sich hier weich und wenn es jetzt noch nach Fisch und Seetang riechen würde, könnte ich mit geschlossenen Augen schon fast am Strand sein.

Was mir eben an Energie fehlte, steckt jetzt im Bauch fest und will verdaut werden. Die nächsten Kilometer fallen mir deutlich schwerer, jedoch lockt der Ausblick auf unser heutiges Nachtlager. Darum schnell die letzten Kilometer am Flugplatz St. Michaelisdonn vorbei, durch den letzten Wald des Tages und hinunter nach Burg. Shopping beim lokalen Discounter und ab zur Unterkunft, die sich an diesem Abend als absoluter Glücksgriff erweisen sollte.

Neben den Schlaffässern erwartet uns hier ein feucht gewordener Traum in Form eines Naturpools, den wir natürlich direkt dafür nutzen, die Hitze des Tages vom geschundenen Leib zu spülen. Danke, Conny! War ne super Idee!!!

Tag 5 - The final stretch

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Tatsächlich klingelt heute mal der Wecker anstatt einfach auszuschlafen, was zum Einen damit zusammenhängt, dass wir schon früh am Vorabend in den Federn verschwunden sind und zum Anderen dafür sorgt, dass wir pünktlich zu unserem Date mit Chris erscheinen. 

Der hat sich nämlich nur wenige Kilometer vor uns direkt am NOK bei den – und jetzt wird es vielleicht ein bisschen (absichtlich) komplexer – Großeltern der Frau seines Kumpels Oli, der wiederum auch beim Hackenpedder mitfährt und irgendwie auch noch Janna kennt, die dort auch geschlafen hat, eingenistet und diesen Ort kurzerhand als Treffpunkt zur Abfahrt für den finalen Teil Hackenpedder bis zurück nach Kiel auserkoren. (Fun Fact: Wusstest du, dass die Grundform von “erkoren” tatsächlich “erkiesen” ist?)

Leider geil!

Viadukt Burg
Morgens am NOK

Also frisch geduscht zurück auf die Bikes und ab dafür. Empfangen werden wir dann mit frischem Kaffee und Toastbrot von Oli’s Oma. Ich liebe diese spontanen Begegnungen. So viel Herzlichkeit für eine Bande stinkender, tätowierter Menschen, die hier einfach mal kurz vorbeikommen.

Hier wurde nicht gefragt, warum wir das freiwillig machen. Hier wurde unsere Begeisterung dafür einfach geteilt und unterstützt. An dieser Stelle also stellvertretend für alle, die sich in irgendeiner Form für die Teilnehmenden des Hackenpedder engagiert haben, sei es durch Getränke am Wegesrand oder die Versorgung mit Trinkwasser am Gartenzaun… vielen Dank, Oli’s Oma!

Wie eingangs erwähnt, steht heute der letzte Gang an. Vorbei an Albersdorf und dann durchs Flachland, über den Boxberg im Naturpark Aukrug, nochmal die schönen Asphalt Achterbahnen im Kieler Umland genießen und dann sollten wir schon da sein, bei der alten Mu, wo Ruhm und Ehre uns erwarten.

Meine Vorfreude ist riesig. Wir steigen auf, rollen los, wieder runter an den NOK, von dort zur nächsten Fährstelle und dem Imbiss Kanal 33. Ein paar Meter weiter dann endlich mal wieder Sand. Diesmal allerdings angenehm fahrbar. Die weichen Stellen wurden dankenswerterweise bereits durch tiefe Reifenspuren von Vorausfahrenden markiert, so dass wir diese gekonnt umfahren können.

Für den Dünenweg nach oben fehlen uns in diesem Moment allerdings die CX Skills, schieben geht jedoch prächtig.

Sand, diesmal mit Hügel
Sand, diesmal mit Hügel

Da das Toastbrot zwar lecker, jedoch mit dem Nährwert eines Stück Papiers ausgestattet ist, gönnen wir uns direkt nach der Durchfahrt des Waldes kurz vor Albersdorf und der Passage des dortigen Übernachtungs Spots ein zweites ausgedehntes Frühstück beim nächsten Supermarkt.

Wer den Bikepackenden kennt weiß, dass dieses Volk gerne auf Natursteinen hockend rumlungert oder sich direkt vor den Fahrradständern breit macht, was in den meisten Fällen zu netten Unterhaltungen führt. So auch in diesem Fall, als uns ein älterer Herr nicht nur von seinem Fahrrad und lang zurückliegenden Touren damit berichtet, sondern auch kurzerhand auf ein Frühstück einlädt. “Lecker, klar!”. Leider Brötchen von vor ein paar Tagen. Für seine Viecher zu Hause. Ja gut. Wie Viecher benehmen wir uns ja auch gerade.

Frisch gestärkt und den Platz an nachfolgende Hackis abgebend, rödeln wir uns wieder zurecht. Von Nix kommt Nix! Immer schön parallel zum NOK, jedoch nicht auf den langweiligen Plattenwegen, sondern durch schöne Natur, Baumreihen, über die wunderschöne Schleusanlage an der Gieselau. Vor uns die Fähre Oldenbüttel, die uns nun ein letztes Mal über den Kanal bringen soll.

Schleuse
Letzte Fähre

Die Kilometer bis Hohenwestedt fliegen nur so dahin. Für uns fühlt sich der noch bevorstehende Rest des Shortcuts irgendwie läppisch an. Für die Gruppe rund um Alec, die wir in Hohenwestedt treffen, sind es die letzten Kilometer der 1000er Runde. Klar, einige waren noch schneller unterwegs, jedoch wird mir an dieser Stelle klar, dass diese Gruppe in der gleichen Zeit deutlich mehr aufs Papier gebracht hat als wir. Allerdings ist das auch etwas, womit ich mittlerweile sehr gut leben kann und was ich unfassbar wichtig finde. Gerade in den letzten Jahren geht es oft nur noch um höher, schneller und weiter. Strava begünstigt den direkten Vergleich meiner Leistung mit der von anderen. Was dort nicht steht, ist, wie jung diese Menschen vielleicht noch sind oder wie viel Erfahrung sie schon haben. Und was dort auch nicht wirklich erkennbar wird ist, dass ich mit meiner Leistung andere in Staunen versetze. Wie oft höre ich sowas wie “Ey Keule, ich könnte niemals 100 km Radfahren am Stück!” und denke mir dann: “Doch! Das kannst du! Du musst nur anfangen!”

Jeder von uns stand irgendwann mal am Anfang und hat irgendwas zum ersten Mal gemacht, was heute zum jeweiligen Standard gehört. Daher auch von mir der gleiche Rat wie von allen Influencern da draußen: “Geht raus, erlebt was! Ihr habt nur ein Leben!”

Mit dieser Message im Herzen kurbeln wir weiter Richtung Boxberg. Der letzte Fotopoint der Route. Da allerdings der Hunger schon wieder zuschlägt und wir noch genug Zeit haben, gönnen wir uns beim dortigen Rentnertreff erstmal ein schönes Mittagessen und verzerren so das Ergebnis des Uphill Segments auf lockere 1,5 Stunden mit einer wahnsinnigen Durchschnittsgeschwindigkeit von 0,5 Stundenkilometern. Totally worth it!

Boxberg

Den Naturpark Aukrug empfehle ich jedem Outdoor-Enthusiasten, einfach weil es so viele verschiedene Wege hindurch gibt. Die Hackenpedder Route natürlich allen voran.

Es folgt der Naturpark Westensee und eine letzte kurze Pause direkt am Schierensee. Nochmal reinhüpfen? Neee… heute nicht. Wir baden nachher in der Förde direkt in Kiel.

Asphalt Achterbahn, letzte Waldmeter und dann hat die Landeshauptstadt uns wieder. Wir brennen durch, leisten uns einen letzten Zielsprint und biegen verdammt glücklich und zufrieden auf die Auffahrt der alten Mu ein.

Zielfoto, Eis, Limo, Glückseligkeit! Für mich bedeutet diese Zieldurchfahrt, eine seit zwei Jahren offene Rechnung endlich abbezahlt zu haben. Und auch wenn ich in diesem Moment stolz wie Bolle bin und erstmal darauf klarkommen möchte, dass ich mein Ziel – auch Dank Conny und Chris – so richtig entspannt und mit Wonne erreicht habe, schaue ich schon wieder nach vorne. Denn wie sagte ich eben noch? Es geht immer schneller, höher, weiter! In diesem Fall, steht der nächste Bikepacking-Trip schon in den Startlöchern. Aber davon berichte ich vielleicht ein anderes Mal. Wir stürzen uns jetzt erstmal in die Förde.

Pic by Stoker
Pic by Stoker

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2 Kommentare

  1. Fein geschrieben📝
    Sehr unterhaltsam🥳
    Macht mir noch mehr Laune nächstes Jahr dabei zu sein (hoffentlich klappt die Anmeldung⏱️🥴)

    p.s.: einen Teil hab ich doch auf’m Klo sitzend(!) gelesen – mit den Beinen blieb und ist alles in Ordnung🤪

    1. Moin,
      Ich wünsche dir ganz viel Erfolg und Glück bei der Anmeldung. Dann kannst du die Nummer auch selbst erfahren.
      Was deine Beine angeht bist du ja offenbar schon gut trainiert 😀

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