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Winter Community Overnighter 2025

Dänemark Grenzübergang... Ride ESG!
Dänemark Grenzübergang... Ride ESG!

Alles begann mit einem Gutschein, den mein Bruder damals mir und meiner Ex-Freundin zu Weihnachten geschenkt hatte. Er hatte gute Absichten… das muss man ihm wirklich lassen! Seine Idee war es, dass wir mit diesem Gutschein ein schönes gemeinsames Erlebnis erleben dürfen. Der Blick auf die Anbieter-Website offenbarte dann die ernüchternde Erkenntnis, dass zwar gerne das Prädikat “gemeinsam” bedient wird, jedoch “schön” definitiv Ansichtssache ist.

Ich mein… Wir kennen das alle! Fachwerkhäuser im Schwarzwald zum Beispiel. Find’ ich schön. Andere nicht so. Das ist ja auch okay. Was aber, wenn du nun so einen Gutschein hast und quasi gezwungen bist, etwas aus dem Katalog der Langeweile auszusuchen? Was machst du dann mit so einem Gutschein?

Auftaktansprache
Auftaktansprache

Verkaufen? Geile Idee! Nur stellt sich so ein Verkaufsgespräch à la “Ey mein Bruder (der Pfosten) hat uns so einen richtig bescheuerten Gutschein geschenkt von so einer Seite, bei der du einfach nix geiles findest und alles einfach nur banaler ersetzbarer Zeitvertreib ist.” als reichlich schlechter Einstieg in eben jenes heraus, da die Lust auf den Abkauf des Gutscheins nicht mal bei den Worten “Keule, ick geb dir auch 10 Euro Rabatt” weiter gesteigert wird.

Ich bin also darauf sitzen geblieben. War vielleicht auch einer der Gründe, warum sich meine Freundin dann von mir trennte… aber das ist ein anderes Kapitel.

Ich sitze also immer noch auf diesem Gutschein und denke mir: “Na komm… jetzt biste frei, Jan! Da muss es doch was geben!” UND TATSÄCHLICH!!!!11111einseinself! Ein Winter Survival Wochenende in Bad Malente. Das isses doch! 2024, Februar. Ich hab’ Bock. ‘Ne Woche vorher Nachricht vom Veranstalter: Mädels…wird nix! Die Wildschweine rasten komplett aus. Die nächste Chance gibt’s erst im Winter 24/25. Gnaaaah. Aber gut. Ich warte, ich plane ein. Neues Datum: Der 1. März 2025.

Und was ist? Diesmal sage ich das Ding ab! Kein Bock! Ich will lieber mi’m Radl foahn! Tja und da zerbröselt der Keks nunmal und wir befinden uns auf einmal am Ende der Geschichte mit dem Survival Ding, aber dafür am Anfang einer anderen, richtig geilen Nummer, von der ich mit diesem Blogeintrag berichten möchte.

Manche reisten sehr früh an
Manche reisten sehr früh an
Atmo am Startpunkt in Rendsburg
Atmo am Startpunkt in Rendsburg

Vorwort also an dieser Stelle etwas länger, dafür jetzt vorbei und ein richtig geschmeidiger Übergang zu einer weiteren, etwas kürzeren Vorgeschichte, die aber wirklich (echt jetzt!) einen direkten Bezug zum ersten Speichenbruch.cc Community Event überhaupt hat!

Ladies and Gentlemen, Vorhang auf, Bühne frei! Heute in der Rolle der Strippenzieher im Hintergrund: Hackenpedder Nils und meine Wenigkeit. Die ganze Nummer nahm dann nämlich ihren weiteren Lauf wie folgt: Ich spreche Nils an und frage ihn um Erlaubnis eine von ihm gescoutete Strecke vom Overnighter Kiel – Kollund aus dem Vorjahr ein wenig umzubiegen und die Nummer von Rendsburg aus anzubieten.

“Klaro…” antwortete der dann erwartungsgemäß, fügt direkt einen Ausdruck seiner Begeisterung hinzu und bietet an, die Organisation über die bereits vorhandenen Hackenpedder Kanäle zu realisieren.

Win-Win Situation für beide. Ich bekomme auf jeden Fall die Teilnehmer*Innen Slots voll, Nils hat die Chance auch seiner großen Community eine weitere Möglichkeit zur Zusammenkunft anzubieten und überhaupt: WGIDD? Kann losgehen!

Ich baue also die Strecke um, setze das Datum fest und bin ab diesem Moment Feuer und Flamme! Ganz im Gegensatz zum Winterwetter, das sich mal kurz mit ganzer Strenge zeigt und uns Nächte mit -12 Grad Celsius beschert, was mich kurz nochmal am Vorhaben zweifeln lässt. Aaaaber nix is! Pünktlich zum Overnighter Wochenende wird es milder und wer jetzt noch nicht von der Krankheitswelle dahingerafft wurde, steht an diesem frostig, nebligen Morgen des ersten März voller Vorfreude um 8:30 Uhr am Paradeplatz in Rendsburg und wartet darauf, die Gravel Bereifung endlich Dreck fressen zu lassen!

Frisch wars...
Frisch wars...
Community Ride
Nebliger Start in Rendsburg
Nebliger Start in Rendsburg

Ich treffe an diesem Morgen zusammen mit Conny und Marcel dort ein und kann es kaum glauben, dass sich dort bereits eine große Traube angesammelt hat. 20 Personen sollen wir heute werden. Ein paar für mich neue Gesichter sind mit dabei, was mich sehr freut, bergen solche Community Rides doch immer das Risiko ein paar richtig schöne Bekanntschaften zu machen. Sogar Nils hat sich noch spontan angekündigt und stößt mit Eiszapfen im Gesicht zu uns. “Ein paar Kilometer reite ich mit euch“, sagt er. Nichts lieber als das! Die Stimmung ist super, die Bikes sind bepackt und nach kurzer Einweisung sowie ein paar allgemeinen Sicherheitshinweisen ist es dann auch endlich soweit. Das charakteristische Klicken einrastender Cleats kündigt an, dass sich die Karawane endlich in Bewegung setzt. 107 km liegen vor uns und führen uns an ein paar Stellen auch über Hackenpedder Abschnitte wie zum Beispiel den Ochsenweg rund um Fockbek. Vor lauter Begeisterung verpasse ich eine Abbiegung, werde aber relativ schnell darauf aufmerksam gemacht. Memo an mich: Wer vorne fährt, sollte das Navi im Blick behalten.

Wir lassen den Bistensee und den Westensee hinter uns und rollen fröhlich weiter. Tempo relativ entspannt. Ziel war es, Niemanden zurückzulassen und darauf zu achten, dass der Pulk sich nicht zu weit zerreißt. So der Plan. Doch glauben Sie, dass diese Geschichte wirklich so passiert ist? Natürlich nicht.

Auf den Kampfschrei “Plattenfrei bis zur Schlei” hatte das Hinterrad eines Mitfahrenden so gar keinen Bock und beschloss, sich mal etwas Luft zu machen. Eine fast schon Formel Eins taugliche Flicken-OP später sind wir allerdings schon wieder in Bewegung. “Plattenfrei bis zur…. watt? Was is? Noch n Platten? Echt? Och nöööö!”

Ja nu… nützt ja nüscht! Da wir nun aber alle kalt werden, schlage ich einen kurzen Zwischenstop vor. Nicht weit voraus befindet sich eine Tankstelle in Götheby. Diese wird kurzerhand als nächster Treffpunkt veranschlagt, so dass genug Zeit für eine weitere Reparatur bleibt. Zweiter Fehler als Scout dieser Tour: Besagte Tanke war nicht direkt an der Strecke, sondern doch ein Stück off, so dass einige den Weg dorthin zwar finden, andere sich jedoch direkt auf den Schlei Trail stürzen und letzten Endes an der Schleifähre Missunde ankommen, mit dem Wissen, die Aufwärm Möglichkeit verpasst zu haben.

Neuer Treffpunkt an der Fähre. Wir sammeln uns, vor mir steht mein Arbeitskollege Mirko und zeigt mir seine Füße, die nun nicht mehr nur in Rennrad-Sommerschuhen stecken, sondern zusätzlich mit Überziehern gewärmt werden. “Gamechanger” sagt er noch und nutzt die neu gewonnene Fußwärme direkt mal aus, um den Bergziegen Overkill rauszulassen und die kleine, aber feine nachfolgende Steigung im Sprinttempo hoch zu brennen.

Die Gruppe ist nun fast wieder vereint. Von einem Teilnehmer erfahre ich später, dass er weit vorher in eine Situation geraten ist, die ihn aus gutem Grund aufgehalten hat. Da mir aber versichert wurde, dass er den Weg ohne uns auch findet, machte ich mir keine weiteren Gedanken.

Der kleine Strand Winningmay war nun unser nächster Anlaufpunkt. Dort wartete Nis bereits mit heißem Kaffee, Tee, Franzbrötchen und Haribos auf uns. Ganz feiner Zug von ihm. Ich kenne Nis von einem gemeinsamen Mammutmarsch in Hamburg und ansonsten als Menschen, der sich sowohl fürs Trail-Laufen als auch für längere Rennradtouren begeistern kann. Für diesen Ride fühlte er sich jedoch nicht gut genug ausgerüstet und hatte daher von sich aus vorgeschlagen, etwas für die Allgemeinheit zu tun und eben diesen Pausen Punkt einzurichten, der dankbar von Allen angenommen wurde. Nochmal ein riesen Dankeschön an dich Nis. Das ist Community!

Pause mit Kaffee und Franzbrötchen! Danke Nis!
Pause mit Kaffee und Franzbrötchen! Danke Nis!
Endlich Sonne!
Endlich Sonne!
Während dieser Pause fragende Gesichter um mich herum. Ziehen wir jetzt bis Flensburg durch? Na aber sichi doch! Und weil uns zwar mittlerweile die Sonne leicht kitzelt, die Temperaturen aber immer noch keine ausgedehnte Strand Pause zulassen, radeln wir jetzt weiter. Den Geschmack von Franzbrötchen auf der Zunge gen Norden. Doch bevor wir die Fröruper Berge erreichen, trennen wir uns schweren Herzens von einer Teilnehmerin, die sich aufgrund ihrer körperlichen Gesundheitssituation nicht mehr in der Lage sieht, mit uns weiterzufahren. Wirklich schade, allerdings ist es immer die richtige Entscheidung im Zweifel auf den eigenen Körper zu hören und der Gesundheit den Vortritt zu lassen.

Jetzt aber ab nach Flensburg. Nicht ohne weitere Panne. Aber auch hier zeigte sich wieder der Community Geist. Reparatur, alle warten, quatschen, gute Laune. Das Ziel ist zum Greifen nah. Als wir dann die Hafenspitze erreichen, macht sich allgemeine Heiterkeit breit. Die einen gönnen sich einen Burrito, andere einen Döner, wieder andere verabschieden sich planmäßig von uns, weil sie jetzt den Heimweg per Bahn antreten. Farewell, meine Lieben! Hat richtig Spaß gemacht. “Schade, dass es schon vorbei ist” höre ich sie sagen. Ja. Da habt ihr Recht. Zum Glück noch nicht für alle. Denn nach der Stärkung ist vor den letzten 10 Kilometern. Die Taschen noch schnell mit einem Supermarkt-Einkauf füllen, der dem eines 15 jährigen mit Aussicht auf eine sturmfreie Bude gleicht und dann ab über Wassersleben und den geliebten kleinen Grenzübergang zwischen Dänemark und Deutschland, gefolgt vom Gendarmstieg mit seinen teils zornigen Steigungen. Aber hier hält uns jetzt nichts mehr auf. Die Aussicht auf das bereits brennende Lagerfeuer in Kollund treibt uns voran. Außerdem möchte ich endlich Marco begrüßen, der dort schon eine Weile sitzt. Ich darf vorstellen: Der wohl einzige Mensch weltweit, der einen Community Ride komplett allein bestreitet, weil die Bahn sämtliche Pläne durchkreuzen konnte und ihn dazu zwang entweder aufzugeben oder einfach seine eigene Strecke zu fahren. Er entschied sich dann für letzteres und saß somit schon am kuschelig warmen Feuerchen, als wir dann auch endlich um die Ecke kamen.

Wir sammeln uns am Feuer, die ersten Geschichten von anderen Abenteuern werden geteilt. Für mich fehlt hier noch jemand, was sich aber sehr bald ändern soll. Das Aufleuchten von Autoscheinwerfern verrät mir, dass meine liebe Freundin Mandy nun angekommen ist. Und mit im Gepäck hat sie neben ihren Schlafutensilien auch noch eine ganze Menge Snacks sowie ein paar Radler, was beim Auftischen selbiger für dankbare Zustimmung sorgt. Willkommen, Mandy, setz dich zu uns in den Kreis.

Der Rest des Abends entbehrt jeder Beschreibung. Muss man dabei gewesen sein. Feuer, tolle Gespräche, Hackenpedder Vibes pur!

... mit Grillgut, Haribos und Bierchen
... mit Grillgut, Haribos und Bierchen

Eine frostige Nacht später sehe ich fast alle morgens wieder am Feuer. Wir tauschen uns über die Schlafqualität und unfreiwillige Umzüge in die Dusche aus. Den meisten erging es allerdings sehr gut. Andere haben sich fürs nächste Mal ein paar Änderungen vorgenommen.

Zum Aufwärmen gibt’s heißen Tee oder Kaffee, außerdem warten milde Temperaturen im unteren einstelligen Bereich sowie eine schöne Runde durch den dänischen Dschungel auf uns. Nahezu pünktlich machen wir uns auf die Rückreise nach Rendsburg. Marco beschließt, direkt heim zu fahren, ebenso trennt sich Kai von uns. Anne will noch bis zum Bäcker in Padborg mit rollen und fährt dann von dort aus nach Hause, nicht jedoch ohne sich vorher noch mit dänischem Gebäck und dem wohl heißesten Kaffee der Welt zu stärken. Stark dezimiert, aber immer noch mit genug Bock für Alle, lassen wir Padborg hinter uns. Der Rest der Strecke verspricht größtenteils gut rollbaren Untergrund mit der Möglichkeit, im Peloton zu fahren, was die müden Beine schont und den Zugpferden die Möglichkeit gibt, sich noch weiter auszupowern. Leider muss uns auch Dirk plötzlich verlassen. Er hatte seinen Rucksack in Padborg stehen lassen. Super ärgerlich, allerdings erfuhren wir im Verlauf des Tages noch, dass sowohl Dirk als auch sein Rucksack heil wieder in Rendsburg gelandet sind. Er ist die Tour kurzerhand allein zu Ende gefahren! Stark!

Heiße Wecken, auf zum Endspurt ab Schuby

Ungebremst mit dem klaren Ziel vor Augen, dass am besten alle ihre Züge noch pünktlich erreichen sollten, fuhren wir weiter, stärkten uns mit Kuchen in Schuby kurz vor dem Dannewerk, überquerten selbiges auf holprigen Pfaden und kamen dann in Kropp an, wo unsere Gruppe nochmal kleiner wurde, da hier ein weiterer günstiger Ausstieg lag. Mit dem Rest ging es dann mit merkbar gehobenem Durchschnittstempo auf den letzten Abschnitt bis Rendsburg, wo wir auf den Glockenschlag genau um 17 Uhr wieder auf den Paradeplatz fuhren.

Das Gefühl, ein gestecktes Ziel mit dem Rad erreicht zu haben, kennen vermutlich alle von euch. Dieses glückliche und warme Gefühl. Die Tatsache, dass ich dieses Ziel nun mit einer Gruppe Gleichgesinnter erreichen durfte, die allesamt meinem Aufruf gefolgt sind, ein kleines Abenteuer gemeinsam zu erleben, hat diesem Gefühl noch eine weitere Dimension spendiert.

Ich möchte mich daher nochmal bei allen Mitfahrenden ganz herzlich bedanken! Es war mir eine riesengroße Freude und Ehre! Die nächste Sause folgt bestimmt. Und dann mit mehr Verhockung…

Auf Bald!

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2 Kommentare

  1. Ich wusste gar nicht das es solch einen netten Ridereport gibt! Danke für die Zusammenfassung – das hat mich nochmal in die beiden Tage zurückversetzt!

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